Dr. Martin Gerwe

"Die Einstellung macht den Unterschied"

Executive Director Medical Affairs und Arzt in der Pharmazeutischen Industrie |

Martin Gerwe

Was bedeutet Karriere für dich?

Die kontinuierliche Weiterentwicklung auf einer beruflichen und persönlichen Ebene – dazu gehört es, Herausforderungen anzunehmen und zu meistern, aber auch Tiefschläge und Niederlagen zu erfahren, wieder aufzustehen und daraus zu lernen.
Karriere zeichnet sich nicht durch Titel aus, sondern vielmehr darin, Menschen zu begeistern und zu motivieren und auch diese in Ihrer Entwicklung zu unterstützen. Karriere bewerte ich dadurch, welche Veränderungen ich bewirkt und welche “Fußabdrücke” ich hinterlassen habe.

Was inspiriert dich?

Menschen mit emotionaler Intelligenz, klaren Werten und besonderen Eigenschaften z.B. brillante Rhetoriker, kreative Visionäre oder Netzwerker.
Mein Sohn inspiriert mich, mit seiner fröhlichen Unbeschwertheit, Neugierde und fast grenzenlosen Energie.
Die Berge, das Meer, die Natur, die ich mit meiner Familie oder alleine mit meinem Hund erkunde, inspirieren mich. Wo ich zur Ruhe komme, meine Gedanken schweifen lassen kann und neue Ideen und Kraft tanke.

Im Thema Frauen-Karriere Förderung, was war deine größte Herausforderung und wie hast du diese gemeistert?

Eine kleinere Hausforderung ist und war die unausgesprochene Zurückhaltung bei der Einstellung oder Beförderung von jungen, talentierten Frauen, da diese möglicherweise schwanger werden könnten. Diese habe ich überwunden, dadurch dass ich sie einfach ignoriert habe und gemeinsam mit diesen Frauen gezeigt habe, dass es Lösungen gibt und dass zeitlich begrenzter Ausfall durch Schwangerschaft und Kind kein Verlust, sondern eine Bereicherung sein kann.
Die größte Herausforderung der wirklichen Gleichberechtigung habe ich nicht gemeistert und das werde ich auch nicht alleine schaffen.

Was ist der schlechteste Ratschlag für Förderung von Frauen-Karrieren, den jemals gehört hast?

Mit dem zufrieden zu sein, was man hat, geduldig auf seine Chancen zu warten und zu glauben, dass es andere besser könnten.

Welche Chancen siehst du für Frauen in der deiner Branche?

Alle Chancen!
Denn was die Gesellschaft, Wirtschaft, meine Branche und Welt braucht, sind Talente, mutige und engagierte Menschen, die Besten um die Zukunft zu gestalten. Geschlecht spielt hierbei keine Rolle, sondern vielmehr Heterogenität und Diversität, emotionale Intelligenz und die richtigen Werte. Damit brauchen wir dringend mehr Frauen in Führungspositionen, um dieses Bild zu komplettieren. M.E. sollten Frauen diese Chance ergreifen und sich nicht einschränken lassen.

Welches Learning würdest du anderen Männer und Frauen gerne weitergeben?

Ich glaube stark an die Kraft der eigenen Vision als “Self fulfilling prophecy” – wie würde meine “ideale” Welt aussehen, nach der ich strebe. Dieser Glaube an eine Vision motiviert mich und kann auch andere motivieren. Dies verbunden mit der Akzeptanz der eigenen Stärken und Schwächen, dem Willen sich weiterzuentwickeln, die Hilfe von anderen zu erfragen und anzunehmen und die Begeisterung und Hingabe für eine Aufgabe oder Herausforderung kann alles möglich machen.
Sei bereit für Veränderungen und bereit Entscheidungen zu treffen. Nichts ist schlimmer als Stillstand und ein Vakuum, weil keine Verantwortung übernommen und Entscheidungen nicht getroffen werden.
Bleibe offen für Neues, beschränke Dich nicht durch Dein Wissen aus der Vergangenheit, sei neugierig und stelle viele Fragen.

Worauf bist du besonders stolz auf das was du (bisher) erreicht hast?

Auf folgenden Lebensabschnitt bin ich besonders stolz:
Nach einem erfolgreich bestandenen, berufsbegleitenden Executive MBA Studium habe ich ein Jahr Elternzeit genommen, die ich mit meiner Familie in Australien verbracht habe. Ich habe mir damit meinen Lebenstraum eines Lebens in Australien erfüllt. Meine damals 13-jährige Tochter ist dort zur Schule gegangen und hat Englisch und Eindrücke fürs Leben gelernt. Ich konnte viel Zeit mit meinem damals 2-jährigen Sohn verbringen und diese einmalige, besondere Zeit geniessen. Diese Zeit hat uns bereichert und ich bin fest davon überzeugt, dass uns alle Eindrücke und dort gemachten Erfahrung positiv verändert haben. Und trotz dieser Auszeit hatte ich keine beruflichen Einbußen oder Karriereknick – aber selbst wenn es so gewesen wäre, die Zeit war einzigartig, traumhaft und unvergesslich und für sich alleine ein großartiger Gewinn.

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